Der Weg zu Gott in mir hat keinen Namen

Ganz klar, es ist keine Philosophie, keine Religion, es ist eine Lebensweise. Das trifft den Nagel auf den Kopf. Jeder bleibt, wer er oder sie ist, oder kann bleiben, wer er oder sie ist. Ein Christ, ein Hinduist, dem Islam zugehörig – es spielt keine Rolle. Und in der Essenz ist dieser Pfad namenlos. Das ist der innerste Kern. Unser Pfad ist so alt wie die Menschheit selbst. Das ist eine zentrale Aussage. Es geht um das Menschsein, um die Menschwerdung. Es geht um das Anliegen, das seit Menschengedenken existiert, dass der Mensch – der als einziges Wesen auf der Welt diese Möglichkeit hat – sich selbst und damit Gott erkennt.

Wie wir zu dieser Menschwerdung kommen, das ist etwas ganz anderes. Dieser Pfad birgt jahrtausendealte Erfahrung. In diesem Pfad schwingt die uralte Weisheit mit, wie ein Mensch zu sich selbst geführt werden kann. Wie ein Mensch eins werden kann mit DEM, was man nicht benennen kann.

Aus heutiger Sicht setze ich den Akzent mehr auf das Namenlose. Es hat für mich etwas Universelles, das darin mitschwingt. Universelles Bewusstsein. Man könnte auch sagen, transkonfessionelle Spiritualität – Religion wieder im Verständnis von »religio«, zurückbinden an die Wurzel. In der heutigen Zeit geht es nicht mehr so sehr darum, die Verschiedenheit zu betonen. Die Verschiedenheit besteht, das Wurzel. In der heutigen Zeit geht ist keine Frage, es ist auch sehr gut, dass es verschiedene Pfade gibt. Aber im Vordergrund steht heute das, was allen gemeinsam ist. Dieser Pfad wurde von anderen Menschen benannt. Es ist ein pfadloser Pfad, nicht einfach ein Pfad. Es ist ein pfadloser Pfad, dem von außen verschiedene Namen gegeben wurden.

Die Sufis waren historisch gesehen häufig auch nicht sehr beliebt, wie übrigens viele Vertreter mystischer Pfade, weil sie die direkte Schau Gottes erfahren und das liegt jenseits jeglichen Dogmas. Das macht die Menschen frei. Es ist eine menschliche Grunderfahrung, die häufig den institutionalisierten Religionen zuwiderläuft. Ein Sufi ist ein Mensch, der niemand ist, der nichts ist. Ein christlicher Mystiker ist ein Mensch, der nichts ist. Ein wirklicher Hindu oder Advaitin ist jemand, der nichts ist. Wir teilen die Essenz aller mystischen Pfade.

Wie Menschen ihr höheres Selbst erkennen, ihr Wesen erkennen können, das beinhaltet dieser mystische Pfad. Ich denke, es ist immer noch eine Seltenheit, einen Pfad zu finden, der in solcher Klarheit den Menschen zu weisen vermag. Wobei ich jeden mystischen Pfad als gleichwertig erachte. Zum Glück gibt es verschiedene Pfade. Heute sind der Menschheit weit mehr mystische Pfade zugänglich als dies noch vor dreißig oder vierzig Jahren der Fall war. Das hat mit der evolutionären Bewegung der Menschheit zu tun.

aus „der Weg hat keinen Namen“ von Annette Kaiser

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